Zu Silvester verreisen? Unbedingt diese rechtlichen Unterschiede in anderen Ländern beachten

Feuerwerk

Silvester an ungewöhnlichen Locations wird immer beliebter: Silvester in der Großstadt, Silvester auf dem Schloss, Silvester im Casino. Oder gleich kombiniert wie es das Schloss Gerbstedt dieses Jahr mit ihrem Casino Royale Silvester anbietet. Insbesondere bei Glücksspielen solltet ihr aber rechtlich aufpassen.

Inzwischen geht der Staat selbst bei manchen Computerspielen von Glücksspiel aus und dann dagegen rechtlich vor. Die Grenze zwischen Spaß und Glücksspiel verschwimmt also immer mehr. Selbst ein harmloses Gewinnspiel beim Silvester kann ggf. als Glücksspiel gelten. Insbesondere im Ausland gelten hier andere Regeln. Falls ihr also Silvester woanders feiern wollt, beachtet bitte folgende Regeln:

Geldeinfuhr: Wann gilt ein Gewinn in der Schweiz als Glücksspiel?

In der Schweiz sind nach dem SGB und dem Artikel 5 nur physische Spielbanken zugelassen. Online-Glücksspiele haben bislang keine Genehmigung. Es gibt jedoch Ausnahmen wie das Leo Vegas Casino, das Casino Cruise, das Mr Green Casino und Casino Room. Diese Webseiten und Apps sind voll reguliert und in der Schweiz legal. Zu finden sind sie sowie weitere Hinweise unter anderem auf der Seite casinosource.ch.

Spielbanken in der Schweiz müssen eine Spielbankenabgabe leisten und zudem Unternehmensgewinnsteuern abführen. Die Spielbankenabgabe liegt zwischen 40 und 80 Prozent der Spieleinsätze. Wie hoch die jeweiligen Abgaben sind, hängt von den verschiedenen Kantonen ab. Die Einnahmen liegen jährlich bei über 400 Millionen Schweizer Franken. Dazu kommen in einigen Kantonen, zum Beispiel in Zürich, noch Gewinnsteuern. Seit dem Jahr 2013 gibt es eine Freigrenze von 1.000 Schweizer Franken für Spieler-Gewinne. Wer darüber liegt, zahlt Steuern. Beim Lotto sind das zum Beispiel 35 Prozent. Wer darunter liegt, muss nicht zahlen.

Glücksspiel in Deutschland

Ob eine Glücksspielsteuer in Deutschland gezahlt werden muss, richtet sich danach, ob es sich um ein reines Glücksspiel oder um ein Geschicklichkeitsspiel mit Glückselementen handelt. Beim Blackjack oder Lotto als reine Glücksspiele fallen zum Beispiel keine Steuern an.

Auch in Frankreich und dem Vereinigten Königreich sind Lotteriegewinne steuerfrei. Wird das Geld jedoch angelegt und es entstehen Zinsen, müssen auf diese Zinsen Steuern gezahlt werden. Der Bundesfinanzhof entschied 2015, dass für Pokergewinne die Glücksspielsteuer fällig wird, da hier nicht nur Glück wichtig ist, sondern auch ein gewisses Maß an Strategie.

Auf Sportwetten müssen die Anbieter in Deutschland fünf Prozent Wettsteuer abführen. Diese können entweder direkt vom Einsatz des Kunden abgezogen oder erst auf den Gewinn erhoben werden. Nur die wenigstens Anbieter wälzen diese Steuer nicht auf den Kunden ab.

Vergnügungssteuer in Spielhallen

Auf die Einnahmen der Automatenspiele zahlt der Anbieter eine Glücksspielsteuer. Diese ist so hoch, dass die Spielhallen dadurch sehr stark belastet sind. Die Einnahmen durch die Vergnügungssteuer auf Automatenspiele liegt bei den Städten und Gemeinden bei hunderttausenden Euro. Jedes Jahr steigen die Einnahmen, nicht zuletzt, weil auch die Vergnügungssteuer stets steigt. Einige Gemeinden wollen die Vergnügungssteuer im Jahr 2018 auf 20 Prozent erhöhen. Es gibt auch Vorschläge für eine Vergnügungssteuer von 30 Prozent.

Österreich: Poker steuerfrei

Wieder anders sieht die Lage in Österreich beim Pokerspiel aus. Das beliebte Casinospiel steht hier auf einer Stufe mit Lotto, wodurch die Glücksspielsteuern entfallen. Damit ist Österreich das steuerfreie Pokerparadies und damit Wahlheimat vieler professioneller Pokerspieler.

Ende 2016 hieß es, dass ab 2017 die Gewinne durch Pokerturniere auch in Österreich besteuert werden sollen. Dagegen regte sich jedoch massiver Widerstand. Unter anderem drohten viele professionelle Kartenzocker damit, das Land zu verlassen, weshalb das Gesetz wieder fallen gelassen wurde.

Weitere Länder: Pokersteuer in Frankreich und Italien, Lotteriegewinne in Portugal, Spanien usw.

In Ländern wie Frankreich und Italien wurde bereits eine Steuer für Online Poker eingeführt, was zu deutlich schwindenden Gewinnen und dadurch auch zu deutlich weniger Spielern führte, wodurch letztendlich auch die Länder weniger Steuer-Einnahmen hatten. Die nationalen Glücksspielaufsichtsbehörden trafen sich daher im September 2016, um über die schwindenden Einnahmen zu reden. An dem Treffen nahmen neben Deutschland, Italien, Portugal und Spanien auch Vertreter aus Österreich, Frankreich und Großbritannien teil.

In Spanien zahlen Lottogewinner bei Gewinnen über 2.500 Euro eine Steuer von 20 Prozent. In Portugal fallen ab 5.000 Euro 20 Prozent an. In den Niederlanden müssen schon Gewinne ab 449 Euro mit 29 Prozent versteuert werden. In Polen gibt es 10 Prozent ab Gewinne über 2.280 Zloty. In Slowenien zahlt der Gewinner bereits ab 300 Euro 15 Prozent. Auch in Italien muss ab 500 Euro mit 12 Prozent Steuern gerechnet werden. Am meisten greift der Staat bei Lotteriegewinnen in Kroatien zu. Dort kommen auf jeden Gewinn 10 Prozent Steuern. Bei Gewinnen über 750 kroatische Kuna (knapp 100 Euro, Stand November 2017) fallen sogar 30 Prozent Steuern an.

Hinweis: Glücksspiel kann süchtig machen

Bei allen pompösen Fassen des Silvesterfeierns in Gesellschaft möchten wir unbedingt darauf hinweisen: Auch wenn eine Silvesterparty a la Casino Royale super und eine tolle Erinnerung sein kann, mäßigt euch. Glücksspiel kann zur Sucht werden und krankhafte Züge annehmen. Kennt eure Grenzen!

Christian Allner (HSN-Redaktion)
Über Christian Allner (HSN-Redaktion) 76 Artikel

Als Schrift-Architekt berät und betreut Christian Allner seit 2011 KMUs aus Mitteldeutschland. Er arbeitet, studiert und lehrt (u.a. an der Uni Halle) zu Social Media, Marketing, Onlinerecht und spannenden digitalen Themen. Sein Fokus liegt auf Blogs, Plattformen wie Facebook, Tumblr und Pinterest, soziale Netzwerke und andere Trends.
Parallel organisiert er Seminare und Workshops.

Ein begeisterter Hobbykoch – kaufmännisch ausgebildet und multimedial studiert. Kreativer Texter, Dozent und Übersetzer. Sie können ihn
hier unterstützen

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*