Historisches Bogenhaus in Löbejün restauriert

Mit einem Konzert der Lehrer der gleichnamigen Kreismusikschule wurde am 24. April, anlässlich des 141. Todestages von Carl Loewe, das restaurierte historische Bogenhaus der Stadt Löbejün eingeweiht.

Zeitreise durch Baugeschichte
Das Bogenhaus ist Bestandteil des „Historischen Stadtgutes“, einer Vierseitenhofanlage, deren Sanierung 1995 vom Löbejüner Stadtrat beschlossen wurde. 2006 ist mit dem letzten Bauabschnitt, dem Bogenhaus, begonnen worden, welches jetzt fertig gestellt wurde. Durch 24, zum Teil unterschiedlich geformte Bögen aus Naturstein- oder Ziegelmauerwerk verschiedener Zeitepochen, erhielt das Gebäude seinen Namen.

Die in der Zeit von 1999-2006 sanierten Gebäude des historischen Stadtgutes wurden vermutlich im 18./19. Jahrhundert errichtet (Klassizismus Berliner Schule gemäß Gutachten Dr. Richwien, Halle), die unter den Gebäuden sanierten Keller sind älter und möglicherweise Bauteile der Anlage des ehemaligen Mühlentores. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten am Bogenhaus musste nun aber festgestellt werden, dass es sich bei diesem Bauwerk nicht wie ursprünglich angenommen, um das Haupt-,Wohn- u. Stallgebäude des zugehörigen Vierseitenhofes handelt, sondern um ein repräsentatives Wohnhaus aus der Zeit des frühen 17.Jahrhunderts. Damit hat dieses Renaissance-Bauwerk bereits die Brandschatzungen des 30-jährigen Krieges in Löbejün überlebt.

Untersuchungen zurBauzeit führtenzu-rück bis in die Zeit um 1605/1609 (Labor Bamberg). Aus dieser Zeitepoche stammen zweifelsfrei die Bohlen-decke, die Bestandteil einer Bohlenstube gewesen ist, und deren Fachwerkkonstruktion als ursprüngliches Tragwerk des Gebäudes. Interessanterweise sind hier die Gefache mit LöbejünerPorphyr gefüllt. Zeitgleich sind die aufgefundene kleine Kellerkapelle und der Aborterker zu sehen. Die beiden bei der Freilegung der Bögen aufgefundenen historischen Wandbilder sind etwas jünger. Anhand der Mode und Darstellungsform könnte diese Malerei dem späten 17. oder frühen 18. Jahhundert zugeordnet werden. Erstaunlich ist hier die Motivwahl der Darstellung, die sich sowohl den Themen des Alltäglichen widmet, als auch auf einen sehr kunstsinnigen Bewohner schließen lässt. Die Fliesen im Eingangsbereich entstammen dem 19. Jahrhundert und weisen hinsichtlich der Ornamente und Farbigkeit Jugendstilelemente auf.

Alle freigelegten Bauteile sind nach Möglichkeit sorgsam saniert worden und sollen nun dazu anregen, sich mit der Historie dieses Gebäudes weiter zu befassen, denn nicht allen Bauteilen des Bogenhauses kann derzeit eine eindeutige Bestimmung zugeordnet werden.

Das Gebäude wird zukünftig für Ausstellungen und kleine Kammerkonzerte genutzt. Im Erdgeschoss soll ein Hofladen, der Produkte der Region vertreibt, entstehen.