Heimatfreund: Die Vierersteine von Krimpe

Altheilige Steine Teil 2

Hermann Größler (1840-1910), Lehrer in Eisleben, prägte 1896 den Namen „Altheilige Steine“, den man als guten Oberbegriff für verschiedene nicht exakt zu deutende Steinsetzungen nehmen kann. Diese stellen wir in loser Folge vor.

Vor fast sechs Jahren erschien hier bereits der erste Artikel zu diesem Thema, der sich mit der Dolmengöttin von Langeneichstädt beschäftigte, einem Stein mit eingeritztem Gesicht, der über Jahrtausende vergraben war, bis man ihn wiederentdeckte und der nachweisleich ehemals aufrecht stand. Diesmal soll es um die „Vierersteine von Krimpe“ gehen.

Gesamtansicht mit der Straße

Lage

Höhnstedt, das sich auf halber Strecke zwischen Halle und Eisleben befindet, besitzt gleich vier „altheilige“ Stätten. Die „Vierersteine von Krimpe“ werden als erste vorgestellt, da sie am umfangreichsten in der Literatur behandelt wurden. Sie befinden sich nordöstlich des Dorfes neben dem Gutshof „Boltzenhöhe“, genau an der Grenze von Höhnstedt zu Krimpe und somit direkt an der Straße, die die beiden Orte miteinander verbindet an der Straßenkreuzung gen Räther.

Auch auf alten Meßtischblättern gehören die Vierersteine zu der Flur von Höhnstedt, dennoch entschied man sich später für die Namensgebung nach Krimpe, da sie sich näher an dessen Ortslage befinden.

Eine echte Kultstätte

Es handelt sich hierbei sehr wahrscheinlich sogar in mehrfacher Hinsicht um eine Kultstätte, denn die aufgestellte Informationstafel des Landesamtes für Archäologie ordnet die Steine der Jungsteinzeit (3.600 bis 2.200 v. Chr.) zu, bewertet sie zudem als Menhire. Andererseits wurden sie aber später als Nagelsteine genutzt.

Ein Menhir bei Boltzenhöhe.
Ein Menhir bei Boltzenhöhe.

Es ist noch immer nicht vollständig geklärt, wieso Menhire aufgestellt wurden. Eine relativ schlüssige These deutet sie aber als Symbole der Ahnen, da sie sich häufiger auf und bei Grabhügeln befinden. Die Aufstellung als Steinkreis sollte einen Schutz für die jeweilige Stätte bilden und diese zugleich abstecken. Im Umfeld von Halle findet sich so ein Steinkreis auch bei Großsteingräbern in der Dölauer Heide. (vgl. Einzelnachweis 1)

Nagelstein

Eingeschlagene antike Nägel.
Eingeschlagene antike Nägel.

Zu den Handlungen, die man an solchen alten Stein vollzog, zählt ganz klar das Einschlagen von Nägeln, das sich an zwei der vier Steine beobachten lässt und zum Beispiel auch für die „Steinerne Jungfrau“ in Halle-Dölau oder den „Langen Stein von Räther“ nachgewiesen ist.(vgl. Einzelnachweis 2) Für einen Stein hat Kirchhoff mehr als 100 Nägel nachgewiesen, ein beachtlicher Beleg für eine lange Nutzung in dieser Funktion, die sich anderswo an Bäumen manifestierte. Nägel sind in Mitteldeutschland nicht nur seit Jahrtausenden belegt, sondern im nahen Sachsen sind sogar die ältesten Holznägel der Welt (über 7.000 Jahre alt) nachgewiesen worden.(vgl. Einzelnachweis 3)

Das Einschlagen von Nägeln diente in alter Zeit dem Glaube, dass man damit schlechte Dinge wegbannen konnte. Dies galt insbesondere für Zahnschmerzen, die in den Stein bzw. Baum geschlagen werden sollten, fand aber auch bei anderen „Übeln“ Anwendung.

Sagenwelt

Die bekannteste konkret an die Vierersteine geknüpfte Sage berichtet von einer Kutsche, mit der ein Mann hier steckenblieb und als er daraufhin seine vier Pferde verfluchte, wurden diese zu Stein. Man darf wohl annehmen, dass eine Kutsche mit vier Pferden in prähistoricher Zeit nicht gerade häufig vorkam, so dass es eine eher junge Sage sein dürfte. Es ist aber die älteste überlieferte von allen, denn sie wurde bereits 1868 in der Sammlung Sagenbuch des Preußischen Staats (Johann Georg Theodor Grässe; 1. Band) wiedergegeben.

Ein weiterer Menhir bei Boltzenhöhe.
Ein weiterer Menhir bei Boltzenhöhe.

Die faszinierende Lokalität beschäftigt die Forschung seit fast 200 Jahren, denn schon 1829 erschien eine kurze Notiz zu ihr, wie man in dem Führer Routen zur Archäologie (2006; Bodo Wemhöner & Ralf Schwarz) nachlesen kann. Dort finden sich ähnliche Informationen wie auf der Tafel, doch sind sie noch ausführlicher und liefern die entsprechenden Belege. So war damals die Behauptung im Umlauf, dass der Stein bei Unwettern besonders weich und daher besonders für Nägel geeignet war. Im Jahr 1840 behauptete demnach zudem der Pfarrer von Höhnstedt, dass es dort sechs Steine gab, ein Jahrhundert später sprach wiederum ein Augenzeuge von fünf Steinen. Entscheidend kann aber nur die erste Meldung sein, zudem findet sich auch ein Eintrag „Vier Steine“ auf einem Meßtischblatt des 19. Jahrhunderts.

Weitere Sagen

Ein Menhir bei Boltzenhöhe.
Ein Menhir bei Boltzenhöhe.

In dem Archäologie-Routen-Führer kann man auch nachlesen, dass eine dritte Sage im Zusammenhang mit den Steinen dahingehend lautet, dass in ihrem Umfeld ein unheimlicher Hund mit glühenden Augen umherwandele. Eine vierte Sage stellt einen Zusammenhang zu einem anderen alten Brauch der Gegend her, nämlich zum „Guden Lubbe von Schochwitz“.

Es handelt sich bei diesem Kult um eine vorchristliche Handlung, bei der Tiere geopfert wurden und die selbst noch im Spätmittelalter (im Jahr 1462) zu scharfem Protest seitens des Bischofs von Halberstadt, zu dessen Bistum die Orte damals gehörten, führte. In der Regel wurden solche alten Kultplätze verteufelt („Hölle“, „Teufels-„) und mit entsprechenden Namen versehen, damit die Menschen sie meiden. Der Gutshof und die Chaussee entstanden erst im 19. Jahrhundert, vielleicht hat also die Abgeschiedenheit zum Erhalt beigetragen.

Einzelnachweise

(1) Vgl. zum Beispiel den offengelegten Grabhügel Schwarzer Berg (Beitz, Martin, in: Halle im Bild).

(2) Diese sollen später noch vorgestellt werden, solange sei auf die entsprechenden Artikel bei „Halle im Bild“ (Beitz, Martin, Steinerne Jungfrau) bzw. „Saalekreis im Bild“ (Beitz, Martin, Langer Stein von Räther) verwiesen.

(3) Block, Simona, Archäologen finden älteste Holznägel der Welt, in: Spiegel Online am 7. Mai 2010.

Weitere benutzte Literatur

Weitere im Internet verfügbare Artikel

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