Heimatfreund: Der Münzschatz von Steuden

Der Münzschatz von Steuden im Kulturhistorischen Museum in Merseburg im Feb. 2014 (Foto: M. Leske).
Der Münzschatz von Steuden im Kulturhistorischen Museum in Merseburg. Foto: Mike Leske, Februar 2014

Der Teutschenthaler Heimatforscher Mike Leske entführt uns heute in Wirtschaft und Geldwesen – aus archäologischer Perspektive:

Als Studenten der Archäologie wird mir oft die Frage gestellt, ob ich bei einer Ausgrabung schon einmal einen Schatz gefunden habe. Sicherlich haben viele dabei die Abenteuer von Indianer Jones und Co. im Sinn. Doch zu deren Enttäuschung und mit einem kleinen Schmunzeln auf den Lippen muss ich diese Frage leider immer verneinen.

Auch wenn sich – insbesondere in ihren Anfangstagen – diese Wissenschaft oft nicht von einer Schatzsuche unterschied, so geht es dem modernen Archäologen nicht um das Auffinden von materiell wertvollen Dingen. Vielmehr geht es darum anhand von Hinterlassenschaften des alltäglichen Lebens, ein Bild aus längst vergangenen Zeiten zu rekonstruieren, aus denen keine oder nur sehr wenige schriftliche Quellen überliefert sind. Eine schlichte Keramikscherbe kann dabei oft mehr Einblick gewähren als ein „Schatz“ aus Silber und Gold.
Dennoch treten manchmal auch in der Archäologie Entdeckungen zu Tage, die den Vorstellungen a la Hollywood sehr nahe kommen.
Als ich im Februar dieses Jahres eine Sonderausstellung zum Thema mittelalterliche Keramik im Kulturhistorischen Museum im Schloss Merseburg besuchte, war dort auch – als Teil der Ausstellung – der Münzschatz von Steuden zu sehen.

In der Ortsakte der kleinen Ortschaft, welche im Landesamt für Archäologische Denkmalpflege Sachsen-Anhalt in Halle aufbewahrt wird, finden sich weitere Aufzeichnungen zu diesem hoch interessanten Fund.
Aus einem Zeitungsartikel des Vereins für Heimatkunde aus dem Jahr 1919 geht hervor, dass wenige Jahre zuvor auf einem Acker, südlich von Steuden, ein cm 9 cm hoher Henkeltopf aus so genannter Irdenware entdeckt worden war. Das mittelalterliche Keramikgefäß beinhaltete ca. 100 in Hälften geschnittene Silbermünzen. Genauer handelte es sich dabei um Ellricher Hohlpfennige aus dem 14. Jahrhundert.
Die Münzen zeigen ein Hirschgeweih mit drei Enden je Stange. Wahrscheinlich entstammen sie der Prägeanstalt der Grafschaft Klettenberg. Ältere Quellen rechnen die Münzen den Grafschaften Stolberg oder Hohenstein zu.
Alle Münzen sind an der gleichen Stelle zwischen den beiden Hirschstangen zerschnitten. Solche als „Hälblinge“ (auch: Schärf, Skaerf, Scherf, Helling) oder auch „Hacksilber“ bezeichneten Münzen, waren im Mittelalter ein probates Mittel um Kleingeld zu erhalten.
Münzschätze wie im Steudener Fall sind Bargeldhorte, Sparstrümpfe oder zurückgelegte Notgroschen, die aus Angst vor Verlust in der Regel in der Erde verborgen wurden. Damit stellen sie einerseits einen authentischen Ausschnitt aus dem Geldumlauf dar, dokumentieren andererseits zugleich Tragödien. Ihr Besitzer konnte seinen persönlichen und in der Regel bescheidenen Reichtum nicht mehr nutzen oder vererben. Eine Verpackung der Münzen in Keramikgefäßen war bis in die Neuzeit hinein üblich.

Quellen:

  • Monatsblatt des Vereins für Heimatkunde 1919. In: Ortsakte Steuden (OA-ID218), Landesamt für Archäologische Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, Halle.
  • Kulturhistorisches Museum Merseburg, Sonderschau „Geformt-Gebrannt-Gebraucht. Keramik des Mittelalters und der Reformationszeit vom 16. 11. 2013 bis 16.02.2014.

1 Kommentar zu Heimatfreund: Der Münzschatz von Steuden

  1. Lieber Maik,
    herzlichen Dank für diese Information, die Steudens Historie – was von ihr schriftlich vorliegt – noch interessanter macht. Obwohl ich seit drei Jahren nicht mehr Bürger Steudens bin, bleibt für mich dieser Ort, in dem ich sechzig Jahre wohnte, unvergesslich. Ich wünsche Dir für dein weiteres Tun Erfolg und Glück.
    Mit besten Grüßen,
    Detlef Schumacher

    PS: Ich erinnere mich gern der Zeit, als du meinem Geschichtsunterricht begeistert folgtest. Einmal versuchtest du sogar, mit einigen deiner Mitschüler die Schlacht im Teutoburger Wald nachzustellen.
    Ich besitze einen Videofilm, der dich und deine Mitschüler im Unterricht zeigt und einen weiteren, den ich bei einer Klassenfahrt mit euch (in den Schwarzwald) drehte.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*