Heimatfreund: Der Münzschatz von Steuden

Als Archäologe wird man oft mit der Frage konfrontiert, ob man bei Ausgrabungen schon einmal auf einen Schatz gestoßen sei. Sicherlich haben viele dabei die Abenteuer von Indianer Jones und Co. im Sinn. Doch zu deren Enttäuschung muss diese Frage fast immer verneint werden.

Auch wenn sich diese Wissenschaft in ihren Anfangstagen kaum von einer Schatzsuche unterschied, geht es dem modernen Archäologen nicht um das Auffinden von materiell wertvollen Dingen. Vielmehr werden anhand von Hinterlassenschaften des alltäglichen Lebens, Bilder aus längst vergangenen Zeiten rekonstruiert, aus denen sonst keine, oder nur sehr spärliche schriftliche Quellen überliefert sind. Eine schlichte Keramikscherbe kann dabei oft mehr Einblick gewähren als ein „Schatz“ aus Silber und Gold.

Dennoch treten manchmal auch in der Archäologie Entdeckungen zu Tage, die den Vorstellungen alla Hollywood sehr nahekommen: Um das Jahr 1910 wurde auf einem Acker, südlich von Steuden, ein ca. 9 Zentimeter hoher Henkeltopf aus sogenannter Irdenware entdeckt. Das mittelalterliche Keramikgefäß beinhaltete etwa 100 in Hälften geschnittene Silbermünzen (Abb. 1). Genauer handelte es sich dabei um Ellricher Hohlpfennige aus dem 14. Jahrhundert. Die Münzen zeigen ein Hirschgeweih mit drei Enden je Stange (Abb. 2). Wahrscheinlich entstammen sie der Prägeanstalt der Grafschaft Klettenberg. Ältere Quellen rechnen die Münzen den Grafschaften Stolberg oder Hohenstein zu.

Abb. 1: Der Münzschatz von Steuden im Kulturhistorischen Museum Merseburg im Feb. 2014. Foto: Mike Leske
Abb. 1: Der Münzschatz von Steuden im Kulturhistorischen Museum Merseburg im Feb. 2014. Foto: Mike Leske

Alle Münzen sind an der gleichen Stelle zwischen den beiden Hirschstangen zerschnitten. Solche als „Hälblinge“ (auch: Schärf, Skaerf, Scherf, Helling) oder auch „Hacksilber“ bezeichneten Münzen, waren im Mittelalter ein probates Mittel um Kleingeld zu erhalten.

Abb.2: Skizze mit Detailansichten der Silbermünzen. Abbildung: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Halle
Abb.2: Skizze mit Detailansichten der Silbermünzen. Abbildung: LDA Sachsen-Anhalt, Archiv

Münzschätze – wie im Steudener Fall – sind als Bargeldhorte, Sparstrümpfe oder zurückgelegte Notgroschen ihrer Zeit zu verstehen. Meist in Kriegs- oder Notzeiten wurden diese aus Angst vor Raub und Plünderungen in der Erde verborgen. Solche Münzhorte stellen damit auch einen authentischen Ausschnitt aus dem Geldumlauf dar. Gleichzeitig zeugen sie aber auch von Tragödien, denn ihre Besitzer waren in der Regel den Gewalthandlungen zum Opfer gefallen und konnten den bescheidenen Reichtum nicht mehr nutzen oder vererben. Eine Verpackung der Münzen in Keramikgefäßen war bis in die Neuzeit hinein üblich.

 

Mike Leske

(Stand: 13. August 2017)

 

Quellen:

  • Monatsblatt des Vereins für Heimatkunde 1919. In: Ortsakte Steuden (OA-ID 2181), Landesamt für Archäologische Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, Halle.
  • Kulturhistorisches Museum Merseburg, Sonderschau „Geformt-Gebrannt-Gebraucht. Keramik des Mittelalters und der Reformationszeit vom 16. 11. 2013 bis 16.02.2014.

1 Kommentar zu Heimatfreund: Der Münzschatz von Steuden

  1. Lieber Maik,
    herzlichen Dank für diese Information, die Steudens Historie – was von ihr schriftlich vorliegt – noch interessanter macht. Obwohl ich seit drei Jahren nicht mehr Bürger Steudens bin, bleibt für mich dieser Ort, in dem ich sechzig Jahre wohnte, unvergesslich. Ich wünsche Dir für dein weiteres Tun Erfolg und Glück.
    Mit besten Grüßen,
    Detlef Schumacher

    PS: Ich erinnere mich gern der Zeit, als du meinem Geschichtsunterricht begeistert folgtest. Einmal versuchtest du sogar, mit einigen deiner Mitschüler die Schlacht im Teutoburger Wald nachzustellen.
    Ich besitze einen Videofilm, der dich und deine Mitschüler im Unterricht zeigt und einen weiteren, den ich bei einer Klassenfahrt mit euch (in den Schwarzwald) drehte.

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