Hallesche Neubauten in der ersten Jahreshälfte 2017

Das Frühjahr bringt traditionell viele neue Baustellen, die dann im Sommer weiter zunehmen. Dies gilt auch für die Neubauten von Gebäuden.

Ein neues Eingangstor

Zu den ehrgeizigsten neuen Projekten gehört zweifelsohne die erneute Veränderung des Riebeckplatzes. Dieser Verkehrsknotenpunkt Halles, in dem fast alle großen auswärtigen Straßen münden, hat in den letzten 20 Jahren massiv sein Gesicht verändert. Verschwunden sind die Fäuste und der originelle Rundbau, die Fußgängerbrücken am Süd- und Westausgang sowie die Riebeckplatzhochhäuser. Zudem wurde die Verkehrsführung stark verändert (Straßenbahn aus dem eigentlichen Kreisverkehr nach unten verlagert), das Haus des Lehrers umgebaut, wobei die große Reliefwand verschwand, und vieles mehr beseitigt (etwa die Wandbilder am Eingang zum Boulevard und am heutigen Com-Center).

Das großstädtische Flair des Platzes ging dadurch endgültig verloren, wenngleich er mit dem Umbau des Busbahnhofes ebenso ein architektonisch originelles Element erhielt wie mit dem unteren Rondell in der Mitte des Platzes, in welchem zudem an Halles Geschichte erinnert wird. In seinem aktuellen Aussehen wirkt der Platz planlos und zubetoniert, die einstigen Stellen der sechzig Meter hohen Wohntürme sind trotz einer gewissen Pflege eher reizlose Rasenflächen und so war es höchste Zeit, die Ecke am Übergang vom Riebeckplatz zur Leipzig Straße („Boulevard“) umzugestalten, denn gerade hier befanden sich viele der mittlerweile beseitigten Objekte.

Im Hintergrund das nun abgerissene Gebäude
Mündung der Leipziger Straße in den Riebeckplatz (Zustand: März 2009)

Der Plan, ein 95 Meter hohes Gebäude zu errichten, wurde zwar aufgegeben, dennoch braucht auch das nun dort begonnene Projekt viel Platz. Daher kam es zum Abriss der letzten Relikte der dortigen Eckbebauung, nämlich eines Hochhauses, der darunter befindlichen Kaufhalle sowie der Treppenreste von der Fußgängerbrücke.

Mündung der Leipziger Straße in den Riebeckplatz (Zustand: März 2017)

Dieses Areal soll mit einem Gebäude bebaut werden, das sich von der Tor-Idee, die dem ehemaligen „Thälmannplatz“ zugrunde lag, nicht völlig verabschiedet, das aber weniger auf Dominanz als vielmehr auf Überleitung abzuzielen scheint. Es soll die Ecksituation mit einer abgestuften Bauweise betonen und somit auch den Eingang vom Riebeckplatz und damit vom Bahnhof zur Innenstadt. Ob das gelingen wird, wird sich zeigen, es ist aber zumindest besser als der bisherige Stillstand und ersetzt nicht nur die Kaufhalle und das Wohn-Hochhaus, sondern auch einen Parkplatz hinter diesem, so dass es direkt an das dortige Hotel angrenzen wird.

Lückenschlüsse

Nicht jedes Bauprojekt fällt sofort ins Auge. So wurde abseits des Boulevards und in unmittelbarer Marktnähe direkt hinter dem Rathaus an der Gustav-Anlauf-Straße ein Neubau errichtet, ohne dass dieser besonders ins öffentliche Interesse gerückt wäre. Die problematische Lage abseits der üblichen Wege und dennoch zwischen Rathaus und Landgericht, wurde sinnvoll genutzt, indem man hier einen ungewöhnlich konzipierten Bau errichtete, der die Straße etwas aufwertet, sie aber nicht dominiert.

Neubau in der Gustav-Anlauf-Straße im März 2017

Auffällig sind besonders die in das Gebäude versenkten Balkone an der Nordseite sowie der Glasrisalit in der Mitte der Nordfront. Trotz der Anpassung an die Straßenbiegung entsteht so eine relativ symmetrische Fassade. Welchen Fortschritt das darstellt, kann man leicht daraus erahnen, dass an dieser Straßensüdseite bisher vor allem die Rückseiten der Gebäude des Boulevards zu sehen waren, die durch den Neubau nun verdeckt werden.

Auch der Lückenschluss am Universitätsring schreitet voran. Selbstbewusst drängt sich das Gebäude zwischen die Fassaden von Gründerzeit und Jugendstil, ergänzt aber nicht wie anderswo, sondern übt eine gewisse Dominanz aus, die im bisherigen Zustand leicht negativ auffällt, sich aber an den Gebäudehöhen der Nachbarhäuser orientiert.

Neubau am Universitätsring im April 2017

In einer halbwegs intakt erhaltenen Stadt wie Halle haben es Bauprojekte dieser Art besonders schwer, denn während anderswo vieles entweder auf dem Stand von vor vielen Jahrhunderten stehengeblieben ist oder aber durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges neu entstanden ist, war es in Halle schon immer so, dass sich die Häuser gegenseitig ergänzen sollten. Seit dem 19. Jahrhundert hat man komplett neue Viertel am Rand der Stadt errichtet, diese somit weit ausgedehnt.

Ausbau

Durch den enormen Wegzug seit 1990, der mit zirka 100.000 Menschen fast einen Drittel der Stadtbevölkerung verschwinden ließ, waren solche Projekte nicht mehr zeitgemäß und man schwenkte zur gegenteiligen Methode um, indem man nun die äußeren Ränder zu reduzieren begann und insbesondere auf der Silberhöhe und im Westen von Halle-Neustadt, aber auch in Heide-Nord großflächig abriss. Dieser Prozess ist zwar mittlerweile gestoppt worden, allerdings führt das zu einem etwas diffusen Umgang mit den Freiflächen. So erleben auch Stadtrandsiedlungen wie Büschdorf, Granau oder Dautzsch weiter eine Phase des Ausbaus.

Auch bei der immer weiteren Aufsiedlung des Gebietes am Weinberg (GSZ bzw. Heide-Süd) ergaben sich kaum Probleme. Lediglich die weiten Wege werden dort mittlerweile kritisch gesehen, so dass sogar schon der Ruf nach einer Straßenbahnlinie laut wurde. Sehr schwer hat es hingegen das neue kleine Viertel im Paulusviertel. In dem reizvollen von Ringstraßen geprägten Gründerzeitviertel wirken die neuen Häuser für viele deplatziert und ungeschickt. Die äußerlich äußerst schlichte Bauweise in dem mit repräsentativen Gebäuden der Kaiserzeit sowie der Weimarer Republik glänzenden Areal hat sicher dazu beigetragen, dass die Ablehnung der neuen Wohnhäuser nicht abebben will. Als Hauptgrund wird freilich die Beseitigung von Bäumen angesehen, die selten gut aufgenommen wird.

Neubebauung der Südseite der Franz-Heyl-Straße im März 2017

Zwischen dem einstigen Regierungspräsidium, das zuvor unter anderem Landwirtschaftskammer und Sitz der Landesregierung war, direkt unterhalb der malerischen Pauluskirche, im Zentrum des nach ihr benannten Viertels, haben nun aber Tatsachen über Bedenken gesiegt. Hier zeigt sich wie so oft, dass eine Stadt ein lebendiger Organismus ist, in dem es selten Stillstand gibt. Gerade die Bebauung leerstehender Flächen, wie es auch weiterhin in der Franz-Heyl-Straße geschieht, sollte daher eher als positives Zeichen gesehen werden.

Weitere Neubauten

Zu den weitgehend fertiggestellten Bauprojekten zählen mittlerweile das Proteinzentrum auf dem Weinberg-Campus, das Hotel am Hallmarkt und das Autohaus in der Weststraße sowie das Königsviertel. Die Vielzahl der damit umrissenen Bereiche, von der Wissenschaft über den Tourismus und die Wirtschaft bis hin zum Wohnungsbau, ist erfreulich.

Das neue Hotel am Hallmarkt (rechts im Bild) im Juli 2017
Das neue Proteinzentrum auf dem Weinberg-Campus im Juni 2017

Weiter laufende Bauprojekte

Schon bedeutsam gewachsen ist der neue Kindergarten an der Schimmelstraße.

Neubau am IMWS (Fraunhofer) im Juni 2017

Neubau eines Kindergartens in der Schimmelstraße im Mai 2017

 

Die Ergänzung von Wissenschaftsbauten ist ebenfalls ein positives Signal und dazu zählt auch die Bauaktivität an der Heideallee. Neben dem Hauptsitz des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) ist aktuell die Entstehung eines solchen Anbaus zu beobachten.

Anbau am Fraunhofer IMWS im Juni 2017

 

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