Führungszeugnis beantragen in Halle und Saalekreis

Arbeitgeber, Behörden, Vereine und andere Institutionen verlangen häufig ein Führungszeugnis von Personen, die in sensiblen Bereichen tätig sind oder werden wollen. Oft ist dann von einem „polizeilichen“ Führungszeugnis die Rede, doch diese Bezeichnung des Dokumentes gibt es offiziell gar nicht. Stattdessen wird zwischen privaten, behördlichen, erweiterten und europäischen Führungszeugnissen unterschieden. Viele Betroffene, die zum ersten Mal damit konfrontiert werden, fragen sich, was ist ein Führungszeugnis und wo bekomme ich es her.

Was ist ein Führungszeugnis?

Vereinfacht gesagt, gibt das Führungszeugnis Auskunft über die Unbescholtenheit beziehungsweise eventuelle Vorstrafen des Bürgers. Optisch ist die amtliche Urkunde an dem grünen Spezialpapier mit Bundesadler erkennbar.

Es ist ein personenbezogener Auszug aus dem Bundeszentralregister (BZR), das zum Bundesamt für Justiz gehört. In dieses Register werden unter anderem Verurteilungen durch ein Strafgericht sowie bestimmte Entscheidungen von Verwaltungsbehörden, Gerichten und Strafverfolgungsbehörden eingetragen. Die dabei registrierten Daten werden aber lediglich zur Erstellung eines Führungszeugnisses herangezogen und nicht im Detail ausgewiesen. Welche Inhalte darin aufgeführt werden dürfen und welche Ablauffristen gelten, das ist im Bundeszentralregistergesetz geregelt.

Wo ist ein Führungszeugnis in Halle und im Saalekreis erhältlich?

Ein Führungszeugnis wird auf Antrag durch das Bundeszentralregister in Bonn ausgestellt. Zuvor wird es bei der Meldebehörde am Haupt- oder Nebenwohnsitz des Bürgers oder online beim Bundesamt für Justiz beantragt. In Halle (Saale) ist dies in den Bürgerservicestellen Marktplatz 1 und Am Stadion 6 möglich.

Erfahrungsgemäß ist der Besuch der Servicestellen häufig mit längeren Wartezeiten verbunden. In der Universitätsstadt Halle herrscht beispielsweise besonders zum Semesterbeginn oft großer Andrang in den Meldebehörden.

Bereits seit einiger Zeit ermöglicht die Stadt Halle deshalb eine Online-Terminvergabe. Inzwischen wird im Portal der Stadt außerdem darauf hingewiesen, dass die Vorsprache in den oben genannten Bürgerservicestellen nur noch nach vorheriger Terminvereinbarung möglich ist. (Ausnahme Kfz-Zulassung und Fahrerlaubnisangelegenheiten)

Termin vereinbaren:

Telefonisch:

Montag bis Freitag zwischen 8.00 und 18.00 Uhr

unter der Nummer 115 – ohne Vorwahl aus dem Stadtgebiet oder 0345 2210

Online:

Rund um die Uhr unter   https://www.halle.de/de/Verwaltung/Online-Angebote/Online-Dienste/Terminvereinbarung/index.aspx   

Bewohner des Saalekreises stellen den Antrag bei zuständigen Stellen der Gemeinde oder der Stadt. Dazu müssen sie häufig längere Wege in Kauf nehmen, wobei viele Bürger auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.

Wer sich den Behördengang und die oft damit verbundene Wartezeit ersparen möchte, kann das Führungszeugnis schriftlich bei der Meldestelle beantragen. Dazu ist ein formloses Schreiben an das Einwohnermeldeamt nötig, das wichtige personenbezogene Daten und eine beglaubigte Unterschrift enthält. Die konkreten Anforderungen können Sie bei den zuständigen Ämtern nachfragen.

Darüber hinaus können private, behördliche und erweiterte Führungszeugnisse direkt über das Portal des Bundesamtes für Justiz online beantragt werden. Nähere Informationen zu dieser Prozedur finden Sie in dem Ratgeber, der als eBook auf der Webseite „Führungszeugnis“ erhältlich ist.

Wer beantragt das Dokument?

Egal ob das Führungszeugnis für private Zwecke oder auf Verlangen einer Behörde benötigt wird, beantragen kann es nur die betroffene Person selbst. Diese muss mindestens 14 Jahre alt und geschäftsfähig sein. Gegebenenfalls können gesetzliche Vertreter den Antrag für minderjährige und geschäftsunfähige Personen stellen.

Worin unterscheiden sich die Arten dieser Zeugnisse?

Das private Führungszeugnis dient der Vorlage bei privaten Arbeitgebern und gibt Auskunft darüber, ob der Betreffende unbescholten ist oder nicht. Es wird nur dem Antragsteller persönlich zugeschickt oder beim Bundesamt für Justiz direkt ausgehändigt.

Ein behördliches Führungszeugnis wird unter bestimmten Voraussetzungen von Behörden verlangt. Zum Beispiel bei der Aufnahme eines erlaubnispflichtigen Gewerbes oder der Arbeit innerhalb einer Behörde und enthält dafür nötige Angaben. Der Antragsteller muss den Verwendungszweck sowie die Behördenadresse angeben, denn das Dokument wird direkt an die Behörde gesendet. Auf Wunsch kann der Antragsteller zuvor bei einem Amtsgericht Einsicht in das behördliche Führungszeugnis nehmen.

Das erweiterte Führungszeugnis wurde vor allem aus Gründen des umfassenden Kinder- und Jugendschutzes eingeführt.

Es wird von Personen verlangt, die in irgendeiner Form mit Minderjährigen zu tun haben. Der Antragsteller muss die schriftliche Anforderung des Arbeitgebers oder der betreffenden Institution vorlegen. Dies sind beispielsweise Träger von Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, Schulen und Vereine mit Gruppen für Minderjährige.

Das europäische Führungszeugnis betrifft Staatsangehörige anderer EU-Länder, die in der Bundesrepublik Deutschland wohnen.  Es kann NICHT online beantragt werden.

Was gibt es noch zu beachten?

Die Ausstellung eines Führungszeugnisses ist gebührenpflichtig. Die Gebühr beträgt derzeit 13 Euro (europäisches Führungszeugnis 17 Euro) und muss bei der Antragstellung entrichtet werden.

Die Bearbeitungsfrist für das private, behördliche und erweiterte Führungszeugnis beträgt etwa 14 Tage, bei dem Europäischen dauert sie durchschnittlich 4 Wochen.

Erforderliche Unterlagen:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Geburtsname der Mutter
  • Bei behördlichem Führungszeugnis sind zusätzlich die Anschrift der anfordernden Behörde und der Verwendungszweck anzugeben.
  • Für das erweiterte Führungszeugnis ist außerdem die schriftliche Aufforderung der verlangenden Stelle nötig.

Nach eigenen Angaben stellt das Bundesamt für Justiz jährlich rund 3 Millionen Führungszeugnisse aus. Offenbar besteht also ein großer Bedarf an diesen Auskünften, wobei die Informationen aus dem Zeugnis für das Beschäftigungsverhältnis relevant sein sollten. Rechtsexperten und Datenschützer weisen in diesem Zusammenhang auf mögliche Probleme hin.

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