Bundesfamilienministerin startet Pilotprojekte für eine kommunale Familienzeitpolitik

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Kristina Schröder: „Kommunale Zeitpolitik muss sich an den Bedingungen von Familien orientieren“

Bundesfamilienministerin startet Pilotprojekte für eine kommunale Familienzeitpolitik

Zum Aktionstag der bundesweiten Initiative „Lokale Bündnisse für Familie“ am 15.05.2012 wird die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder, den Startschuss für ein neues Programm zur kommunalen Familienzeitpolitik geben.
„Familien werden tagtäglich mit vielfältigen Zeitkonflikten konfrontiert: Sie möchten Beruf und Familie miteinander vereinbaren, Kindern gute Entwicklungschancen ermöglichen, familiäre Fürsorge für ältere und hilfebedürftige Menschen übernehmen oder sich zivilgesellschaftlich engagieren“, sagte Bundesfamilienministerin Schröder heute (Montag) in Berlin. „Um diese Vielfalt an Tätigkeiten und Verpflichtungen besser mit einander in Einklang zu bringen, brauchen wir eine wirkungsvolle kommunale Familienzeitpolitik, die den Eltern insbesondere bei der Vereinbarkeit von Familienleben und Beruf mehr Gestaltungsspielräume bietet. Die Lokalen Bündnisse mit ihren zahlreichen Lösungen gehen hier mit gutem Beispiel voran“, so Schröder.

Kernelement des Programms ist ein einjähriges Modellprojekt mit vier Pilotstandorten. Dort sollen die zentralen Taktgeber wie Arbeitgeber, Schulen, Behörden, Dienstleister oder Nahverkehrsbetriebe übertragbare Konzepte für eine kommunale Zeitpolitik erarbeiten. An zwei Standorten wird es beispielsweise um die Situation von Ein- und Auspendlern mit ihren spezifischen Bedarfen an Kinderbetreuung, flexiblen Arbeitszeiten und angepassten Mobilitätsangeboten gehen.

Die vier Standorte sind: Region Aachen/ Herzogenrath, Landkreis Donau-Ries, Gemeinde Neu Wulmstorf und Saalekreis. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert diese Standorte für ein Jahr mit jeweils bis zu 36.000 Euro.

Der diesjährige Aktionstag 2012 steht unter dem Motto: „Familie und Beruf: Wir bauen Zeitbrücken“ An über 370 Standorten gibt es von Lörrach bis Lübeck und von Aachen bis Görlitz Aktionen Lokaler Bündnisse und ihrer Partner. Der bundesweite Aktionstag findet wie immer am Internationalen Tag der Familie und in diesem Jahr zum siebten Mal statt.

Alle Standorte sind auf www.aktionstag2012.de auf der Aktions-Karte verzeichnet. Weitere Informationen zu den Bündnissen gibt es auf www.lokale-buendnisse-fuer-familie.de.

Die Pilotstandorte „Kommunale Zeitpolitik für Familien“
Lokale Bündnisse entwickeln und erproben in den Pilotstandorten systematisch, wie sich eine kommunale Familienzeitpolitik für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf umsetzen lässt. Wichtige Akteure vor Ort wie Kommunen, Unternehmen, Betreuungseinrichtungen, Verkehrsbetriebe und die Familien selbst werden dafür an einen Tisch geholt. Die Erkenntnisse sollen in übertragbare Konzepte, Methoden und Instrumente aufbereitet werden.

Region Aachen / Herzogenrath

Stadt Aachen
Mit rund 160.000 Erwerbstätigen ist Aachen der Jobmagnet in der Region. Für viele der etwa 80.000 Pendlerinnen und Pendler nach Aachen ist eine Kinderbetreuung in der Nähe des Arbeitsplatzes wichtig. Deshalb möchte das Bündnis Aachen im Rahmen des Pilotprojekts ein Mobilitätskonzept entwickeln, um den Zeit- und Wegeaufwand so zu optimieren, dass mehr Zeit für die Familie bleibt. In Aachen leben auf Grund der attraktiven Hochschullandschaft mit der RWTH, der FH Aachen, der KatHO NRW Abteilung Aachen und dem Studentenwerk Aachen viele Eltern, die als Studierende sowie Angestellte der Hochschulen von deren zeitlichen Rhythmus abhängig sind. Deshalb wird sich das Aachener Bündnis auch damit beschäftigen, wie sich die besonderen Zeitbedarfe dieser Eltern besser abstimmen lassen. Zum Beispiel stimmen die Semesterferien selten mit den Schulferien überein – eine große Herausforderung für Studierende mit Kindern. Erste Initiativen für eine optimierte Kinderbetreuung bestehen bereits, so bauen etwa die Hochschulen die Betreuungsmöglichkeiten kontinuierlich aus und es gibt eine Notfallbetreuung bis 20 Uhr. Ziel ist es, durch eine aktive Familienzeitpolitik Studierende nach dem Studium in der Stadt zu halten und so dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Ein weiterer Ansatz, mit dem sich das Bündnis gemeinsam mit dem Bündnis der Stadt Herzogenrath dem Thema „Zeit“ nähern, sind sog. „Modellfamilien“. Dabei sollen mehrere Familien unterschiedlicher Konstellation, von alleinerziehend bis hin zu Doppelverdienern, Zeittagebücher führen, um so Erkenntnisse über Familienzeit zu gewinnen.
Kontakt | Heinz Zohren, Stadt Aachen, Fachbereich Kinder, Jugend und Schule | Tel.: 0241 / 43 24 51 03

Stadt Herzogenrath
Die rund 48.000 Einwohnerinnen und Einwohner fassende Stadt Herzogenrath liegt in der Städteregion Aachen und grenzt im Westen unmittelbar an die Niederlande. Die ehemals vom Bergbau geprägte Stadt durchlebt einen starken wirtschaftlichen Strukturwandel hin zu den Bereichen Forschung und Entwicklung, innovative Technologien. Darüber hinaus ist die Glasindustrie wichtig für den Standort. Um zukünftig Fachkräfte in der Stadt zu halten und neue zu gewinnen, möchte das Bündnis im Rahmen des Pilotprojekts die Familienfreundlichkeit der Betriebe erhöhen. Viele der rund 15.000 Erwerbstätigen in Herzogenrath pendeln in das angrenzende Aachen – in Herzogenrath bestehen lediglich rund 8.600 Arbeitsplätze. In enger Zusammenarbeit mit dem Bündnis Aachen möchte Herzogenrath ein besseres Verständnis für die zeitlichen Taktgeber von Pendlerfamilien entwickeln, um dort mit konkreten Lösungen den Zeitdruck von erwerbstätigen Eltern zu reduzieren. Hierfür können erste Befragungen zur Mobilität unter Beschäftigten genutzt werden. So befindet sich das Bündnis derzeit in Vorgesprächen mit dem Betriebsrat von Ericsson-Eurolab am Standort Herzogenrath zu einer möglichen Kooperation. Durch die gezielte Begleitung von ausgewählten „Modellfamilien“ sollen die Erkenntnisse vertieft und erste Lösungsansätze für mehr Zeit in der Familie entwickelt werden.
Kontakt | Birgit Kuballa, Stadtverwaltung Herzogenrath, Gleichstellungsbeauftragte | Tel.: 02406 / 83 139

Landkreis Donau-Ries
Der Landkreis Donau-Ries, mit seinen 44 Städten und Gemeinden, liegt am nördlichen Rand der Europäischen Metropolregion München. Seine Kennzeichen sind Vollbeschäftigung, ein hoher Wohn- und Freizeitwert und eine dynamische Wirtschaft mit zahlreichen kleinen und mittleren Unternehmen auf der einen Seite und sinkende Einwohnerzahlen und fehlende Fachkräfte auf der anderen Seite. Viele Menschen in der ländlichen Region sind auf ein Auto angewiesen, um ihre Arbeitsstelle zu erreichen und ihren Alltag zu bewältigen. Das Pilotprojekt des Bündnisses will die unterschiedlichen Lebensverhältnisse von Familien unter dem Aspekt „Zeitbedarfe – Zeitprobleme“ untersuchen. Ziel ist es, einen Zeitatlas zu erstellen, der mit zeitrelevanten Merkmalen, wie dem Pendleranteil und der Zahl der Alleinerziehenden, die regionalen Unterschiede in der Zeitbelastung von Familien abbildet. „Wer bestimmt den Takt?“ – für die Antwort sollen in Modellkommunen die Zeitvorgaben der wichtigsten Taktgeber, wie Unternehmen, Betreuungseinrichtungen, Schulen, Behörden und der öffentliche Nahverkehr, ermittelt werden. Parallel dazu werden Familien zu ihren persönlichen Zeitbedarfen und Zeitproblemen befragt. Ein wichtiges Ziel des Projekts ist es, Lösungen zu finden, die für mehr Zeitwohlstand in den Familien sorgen. Dabei setzt das Bündnis auf ein Miteinander: Geplant sind „Zeit-Werkstätten“ in den Modellkommunen, bei denen Taktgeber gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern Ideen und Projekte entwickeln.
Kontakt | Günter Katheder-Göllner, Familienbeauftragter & Bündniskoordinator | Tel.: 0906 / 74 198

Gemeinde Neu Wulmstorf
In der rund 21.000 einwohnerstarken niedersächsischen Gemeinde am südwestlichen Stadtrand Hamburgs leben viele Doppelverdienende sowie Berufspendlerinnen und -pendler. Zeitknappheit entsteht besonders, weil Arbeits- sowie Wohn- und Betreuungsort oft weit auseinander liegen. Häufig haben berufstätige Eltern kein familiäres Unterstützungsnetzwerk vor Ort, da ihre eigene Familie weiter weg wohnt. Deshalb gibt es einen großen Bedarf, Arbeitszeiten mit Betreuungszeiten abzustimmen, um Zeitengpässe zu reduzieren. Zeitprobleme im Familienalltag sollen deshalb durch eine Befragung ermittelt und dokumentiert werden. Die Ergebnisse werden analysiert, um Lösungen für mehr Familienzeit mit den Betroffenen zu erarbeiten. Ziel ist es, den Standort noch attraktiver für Familien zu gestalten. In dem Pilotprojekt des Bündnisses soll gemeinsam mit den Betroffenen und den Taktgebern an Lösungen gearbeitet werden. Auch die Unternehmen vor Ort werden eingebunden, um den Bedarf von Beschäftigten in Neu Wulmstorf (ca. 3.500 vor Ort) zu ermitteln – insbesondere der Bedarf an einer arbeitsplatznahen Kinderbetreuung. Im Fokus steht eine stärkere Kooperation zwischen Betreuungseinrichtungen, um Betreuungszeiten und Angebote besser abzustimmen, sowie die Ermittlung der Entlastungsmöglichkeiten durch Verwaltungsmodernisierung, wie durch E-Government, bei dem Verwaltungsvorgänge im Internet vorgenommen werden können. So soll besonders in den Randlagen der Gemeinde die Familieninfrastruktur gestärkt werden.
Kontakt | Nina Nadstazik, Rathaus Gemeinde Neu Wulmstorf | Tel.: 040 / 700 78 200

Saalekreis
Der Saalekreis ist der wirtschaftsstärkste Landkreis in Sachsen-Anhalt und befindet sich im Ballungsraum Leipzig/Halle. Er zeichnet sich vor allem durch strukturelle Unterschiede zwischen städtischen Gebieten wie Merseburg und ländlichen Gebieten aus. Dies führt zu einer großen Heterogenität bei der Verkehrs- und Familieninfrastruktur. Das Pilotprojekt des Bündnisses wird deshalb unter anderem untersuchen, welche Auswirkungen dieses Nebeneinander von städtischen und ländlichen Strukturen auf die Zeitabläufe von Familien hat. Ziel ist es, unzureichend regional abgestimmtes Handeln zu verbessern und Zeitkonflikte durch die fehlende Abstimmung von zentralen Taktgebern, wie Nahverkehr und Ämtern zu verbessern. Die vorhandenen Kindereinrichtungen für Kinder ab drei Jahren decken in der Region flächendeckend den Bedarf. In Anbetracht wachsender Flexibilisierung der Arbeitszeiten müssen jedoch Betreuungszeiten angepasst werden. Insbesondere möchte der Saalekreis herausstellen, welchen konkreten Einfluss Unternehmen auf das Thema „Familienzeit“ haben. Durch die Kooperation mit Unternehmen wie Infra Leuna könnten Zeitbedarfe über die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erfasst und verschiedene Angebote für Familien etabliert werden. Einen ersten Schritt, um Unternehmen noch stärker für das Thema zu sensibilisieren, geht das Bündnis im Saalekreis mit dem 2. Wettbewerb „Familienfreundliches Unternehmen“. Hier nimmt es erstmals die Thematik „Zeit“ in die Kriterien auf.
Kontakt | Christiene Grube, Familienbeauftragte des Saalekreises | Tel.: 034 / 61 40 22 02

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Glinkastraße 24
10117 Berlin
Tel.: 03018/555-1061/-1062
Fax: 03018/555-1111
presse@bmfsfj.bund.de
www.bmfsfj.de

Dr. Kerstin Küpperbusch
Pressesprecherin
Landkreis Saalekreis
Domplatz 9
06217 Merseburg
Tel.: 03461 / 401010
Fax: 03461 / 401099

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