Aktiendepots & Co. – Wie aktiv sind Halle und der Saalekreis im Wertpapierhandel?

Der Kursverlauf an der Frankfurter Börse.
Der Kursverlauf an der Frankfurter Börse.

Gerade erst wurde der bekannte Fahrradhersteller MIFA gerettet – die Aktien werden im Rahmen eines “Asset Deals” auf die Investorenfamilie Nathusius überschrieben. Doch wieso ging es MIFA überhaupt schlecht? Liegt es an den Aktien?
Das Vokabular ist komplex, die Händler gelten als raffgierig und unmenschlich und Aktienstürze haben die Weltwirtschaftskrise 1929 und die Weltfinanzkrise 2007 verursacht. Warum handeln wir also weiterhin mit Aktien und welche börsennotierten Unternehmen gibt es eigentlich bei uns?

Vokabular auf dem Börsenparkett: Depots, CFDs, Hebelwirkung etc.

Eigentlich gibt es nur drei wichtige Begriffe im Börsenvokabular: Kaufen, Verkaufen, Halten. So einfach, wie manche Broker bzw. klassische Werpapiermakler da gern zitiert werden, ist die Sache aber nicht.

Wie in allen Fachgebieten hat sich eine eigene Börsensprache herausgebildet, die vor allem mit englischen Fremdwörtern umzugehen weiß.
Eine Benchmark ist beispielsweise eine Richtgröße oder Orientierungspunkt bei Wertpapierdepots in Form von Indizes. Der DAX ist das bekannteste Beispiel, denn der Deutsche Aktien-Index ist wie die Wettervorhersage für Gesamtdeutschland: Sie fasst zusammen und gibt einen allgemeinen Trend.
Wenn man nun bei einer Bank beraten wird und Aktien kauft – im Fachjargon zeichnet -, dann bekommt man meistens ein Depot, das heißt ein Mix aus verschiedenen Aktien verschiedener Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wie ein Früchtesalat in der Schüssel werden diese Aktien dann im Depot zusammengeworfen. Dieser Vorgang stellt die Aktien auf eine möglichst breite Basis und verhindert extreme Kursschwankungen. Das sind die einfachen Vorgänge im Aktienhandel.

Fachprofis arbeiten mit anderen und riskanteren Konzepten, wie Daytrading, CFD oder Piggy Trade, welche vielfach aus den Anfängen des Investmentbankings der 1980er stammen.
Kurzfristiger, meist innerhalb eines Tages ablaufender Handel wird passend mit Daytrading (also Tageshandel) umschrieben. Dabei spekuliert man mit großen Summen, um aus geringen Kursschwankungen zu profitieren. Daytrading ist aufgrund der Schnelligkeit stark mit dem Aufstieg des digitalisierten Börsenhandels verknüpft.
CFDs arbeitet mit Hebelwirkung, was enorme Gewinne erzeugen kann, aber auch von professionellen Beratern betreut werden sollte. Das Kürzel stammt aus dem Englischen von “contract for difference” und wird gern mit Differenzkontrakt übersetzt. CFDs setzen ein großes Vorwissen beim Investor voraus. Außerdem bergen sie ein hohes Verlust- und Folgerisiko, denn nicht nur das eingesetzte Kapital kann verloren gehen, sondern darüber hinaus können noch weitere Verpflichtungen entstehen.
Piggy Trade umschreibt den Handel mit Währungsschwankungen und basiert auf einem komplizierten System. In einem Land werden Anleihen zu niedrigen Zinsen aufgenommen, um in einem anderen Land mit hohen Sparzinsen angelegt zu werden. Aus der entstehenden Lücke profitiert der Anleger. Einige dieser hochkomplizierten und riskanten Geschäfte wurden, weil sie zu exzessiv und unkontrolliert durchgeführt wurden, als Gründe für die Finanzkrise 2007 herangezogen.

Doch unabhängig von Potenzial und Gefahr des Aktienhandels: Wie aktiv sind Halle und der Saalekreis?

Halle und Saalekreis: Welche Unternehmen sind an der Börse?

Bereits die Zahl börsennotierter Unternehmen aus Sachsen-Anhalt ist sehr überschaubar. Aktiengesellschaften – abgekürzt AG – gibt es zwar einige, doch häufig verbleiben die Anteile in der Hand der Gründerfamilien wie etwa bei der Unternehmensgruppe GP Günter Papenburg. Vor Gründung der DDR und der daraus folgenden Enteignung vieler Unternehmer und Überführungen in das so genannte Volkseigentum gab es verschiedene börsennotierte Unternehmen im heutigen Raum Halle-Saalekreis wie die Anhaltischen Kohlenwerke, den Karosseriehersteller Gottfried Lindner AG oder die A. Riebeck’schen Montanwerke.
Obwohl die Zahl von Unternehmen mit einem Sitz in Halle und an der Börse gehandelten Papieren überschaubar ist, klingen ihre Namen dennoch bekannt:

Halloren - die älteste Schokoladenfabrik in Deutschland und börsennotiert.
Halloren – die älteste Schokoladenfabrik in Deutschland und börsennotiert.

Die Halloren Schokoladenfabrik AG ist seit dem Börsengang 2007 im Wertpapierhandel aktiv, musste zwar im letzten Jahr Einbußen hinnehmen, doch ist wieder auf einem steigenden Kurs. Die Einbußen lagen vor allem an strategischen Zukäufen, die zunächst refinanziert und neu durchorganisiert werden müssen. Die älteste Schokoladenfabrik Deutschlands ist für viele ein gewinnbringendes Unternehmen aus der Region und natürlich ein Aushängeschild.

Jüngstes Mitglied dieses überschaubaren Clubs ist die Probiodrug AG, ein Pharmakonzern, der nach Medikamenten gegen Alzheimer forscht. Erst im Oktober 2014 ging man erfolgreich an die Amsterdamer Börse und nahm über 22,5 Millionen Euro als reine Kapitalerhöhung ein.

Noch kompakter ist die Liste von Unternehmen im Saalekreis. Zwar konnten wir kein börsennotiertes Unternehmen finden, das heute noch aktiv ist, doch große Aktienkonzerne mit Niederlassungen gibt es dennoch zu verzeichnen: In Merseburg unterhält der Chemieriese BASF ein wichtiges Werk und der Autozulieferer Hella engagiert sich sehr stark in Querfurt.

Können Sie unsere Liste ergänzen? Dann schreiben Sie uns doch einen Kommentar – auch gern mit Anmerkungen oder Erfahrungen zum Börsenhandel.

Bildquellen: Börse (c) travel_aficionado/flickr.com, Halloren (c) Ralf Lotys/commons.wikimedia.org

Christian Allner (HSN-Redaktion)
Über Christian Allner (HSN-Redaktion) 74 Artikel
Als Schrift-Architekt berät und betreut Christian Allner seit 2011 KMUs aus Mitteldeutschland. Er arbeitet, studiert und lehrt (u.a. an der Uni Halle) zu Social Media, Marketing, Onlinerecht und spannenden digitalen Themen. Sein Fokus liegt auf Blogs, Plattformen wie Facebook, Tumblr und Pinterest, soziale Netzwerke und andere Trends. Parallel organisiert er Seminare und Workshops.Ein begeisterter Hobbykoch – kaufmännisch ausgebildet und multimedial studiert. Kreativer Texter, Dozent und Übersetzer. Sie können ihn hier unterstützen

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*