Äffchen IDA im Geiseltalmuseum

Bei Ida (ausgestorbener früher Primat) handelt es sich um ein wissenschaftlich besonders bedeutsames Objekt, denn es ist das weltweit einzige nahezu vollständig erhaltene Skelett eines Primaten überhaupt.
Anzeige

Kopie des Fossils "Ida" hält im Geiseltalmuseum Einzug
Dipl.-Journ. Carsten Heckmann, Pressestelle Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Das Ur-Äffchen "Ida" steht im Mittelpunkt einer öffentlichen Präsentation, die aus Anlass des 75. Gründungstages des Geiseltalmuseums der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) am 23. November 2009 um 16.30 Uhr in den Räumlichkeiten des Museums, Domstraße 5, stattfinden wird. Unter dem Titel "Ida und die Geiseltal-Primaten" vergleicht Kustos Dr. Meinolf Hellmund das zu besonderer Berühmtheit gelangte Fossil einer kleinen Affenart – das den Spitznamen Ida und den wissenschaftlichen Namen Darwinius masillae trägt – mit Funden aus dem Geiseltal.

Bei Ida (ausgestorbener früher Primat) handelt es sich um ein wissenschaftlich besonders bedeutsames Objekt, denn es ist das weltweit einzige nahezu vollständig erhaltene Skelett eines Primaten überhaupt (Skelett mit Weichkörper und Mageninhalt). Die fossilen Überreste sind rund 47 Millionen Jahre alt und stammen aus dem Eozän. "Das Original des bereits vor 26 Jahren in Messel bei Darmstadt gefundenen Fossils befindet sich heute in Oslo", sagt Hellmund. Fossilien ähnlicher Affenarten gab es auch im Geiseltal, sie sind allerdings nicht verwandt mit Ida, so Hellmund.

Dass jetzt aber das Geiseltalmuseum eines der wenigen Museen auf der Welt ist, das eine originalgetreue Kopie der Fossilplatte aus Polyester in seinen Beständen aufnehmen und damit das Affenmädchen "Ida" präsentieren kann, hängt mit der besonderen Kooperationsbereitschaft des Museums zusammen und hat somit eine eigene Geschichte.

Sie begann im April 2008, als eine internationale Forschergruppe im Geiseltalmuseum weilte, um wissenschaftliche Untersuchungen an den Geiseltalprimaten anzustellen. Paläontologen von Universitäten aus den USA, Michingen, und aus Norwegen, Oslo, sowie von einem deutschen Forschungsinstitut gehörten der Gruppe an. Fossile Primaten aus dem Geiseltal, insbesondere isolierte Kiefer und ein Teilskelett, dienten dem Vergleich mit "Ida". Das Geiseltalmuseum lieh schließlich relevante Vergleichsobjekte zur Herstellung hoch auflösender Röntgenbilder nach Frankfurt am Main an das Forschungsinstitut Senckenberg und unterstützte damit die Untersuchungen nachhaltig. Als Dank für diese Unterstützung erhielt nun das Geiseltalmuseum eine originalgetreue Kopie, die gerade für wissenschaftliche Präsentationen hervorragend geeignet ist. Zugleich wird hier auch der wissenschaftliche Stellenwert der Funde aus dem Geiseltal deutlich, die für die Beurteilung und Bewertung bestimmter evolutiver Merkmale von Wirbeltieren enorme Bedeutung haben.

"An Idas Skelett lassen sich verschiedene Knochenbrüche genau erkennen, die das Affchenmädchen zu Lebzeiten erlitt, z. B. war das oberste Daumenglied der linken Hand gebrochen und seitlich versetzt wieder angewachsen", erklärt Meinolf Hellmund. Oder im Handwurzelbereich lässt sich anhand einer anormalen Knochenverdickung ein früherer Handgelenksbruch nachweisen, ebenso am Oberarmknochen. Interessant sei auch, dass Ida nicht wie bestimmte Halbaffen der damaligen Zeit über eine sogenannte Putzkralle verfügte, sondern dass sie an allen Fingern und Zehen Nägel besaß, so Hellmund.

Gewissermaßen stellt die Kopie Idas ein "Geschenk" zum 75. Geburtstag des Geiseltalmuseums dar. 1934 gründete Prof. Dr. Johannes Weigelt (1890-1948 ) die Einrichtung, in der Funde aus dem Geiseltal, darunter zahlreiche Fossilien insbesondere von Wirbeltierresten und Pflanzen, aufbewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Museum zählt jährlich rund 5000 Besucher, darunter wissenschaftlich Interessierte und Schülergruppen. Im September kamen z. B. auch 30 Mitglieder des Schwäbischen Heimatbundes e. V. aus Leoburg bei Stuttgart nach Halle, um sich im Geiseltalmuseum umzusehen.

Dr. Meinolf Hellmund
Institut für Geowissenschaften, Geiseltalmuseum
Telefon: 0345 55 26073
E-Mail: meinolf.hellmund@geo.uni-halle.de
 

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*