Heimatfreund: Schloss Würdenburg zu Teutschenthal

Das Schloss in verganenen Jahrhunderten.
Rittergut Würdenburg während eines Manövers um 1860

Die Würdenburg bildete bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein das wirtschaftliche und politische Zentrum Teutschenthals. Die Geschichte des Schlosses ist dabei eng verbunden mit der Familie von Trotha, einer der bedeutendsten Adelsgeschlechter in Mitteldeutschland. Mit dem Verkauf der Herrschaft Seeburg (in der Mitte des 13. Jahrhunderts) gelangte deren Besitz im Jahr 1287 über Umwege an die Grafen von Mansfeld. Als Hausvögte der Mansfelder Grafen waren Wolf von Trotha (gestorben 1375) und dessen jüngster Sohn Nicolaus (gestorben 1412) mit Gütern entlang des Würdebaches belehnt worden. In der südlich der Würde gelegenen und 1219 als „Wordhem“ erstmals erwähnten kleinen Siedlung Würden gab es bereits einen zentral gelegenen Freihof. Von hier aus hatten schon die Grafen von Seeburg ihre umliegenden Besitzungen verwalten lassen. Auf diesem Hof ließen sich nun auch die Trothaer nieder und begründeten mit Hans von Trotha (gestorben 1468) die Teutschenthal-Bennstedter Linie der Familie. Neben der Verwaltung der Mansfeldischen Lehnsgüter übte dieses Geschlecht auch die Gerichtsbarkeit über „Hals und Hand“ aus und kümmerte sich um Kirchenangelegenheiten, wie die Instandhaltung der Gotteshäuser oder die Berufung der Pfarrer im Würdebachtal. Wegen der seit 1365 bestehenden Zweiteilung Teutschenthals mussten diese Herrschaftsrechte allerdings mit dem Hochstift Merseburg geteilt werden.

Barockes Familienwappen der Herren von Trotha und die Jahreszahl [158...] im Hof der Würdenburg
Barockes Familienwappen der Herren von Trotha und Jahreszahl 158[.] im Hof der Würdenburg
Der sich stetig vergrößernde Besitz entlang des Würdebaches und der damit verbundene Repräsentationsanspruch der Edlen zu Trotha machten einen standesgemäßen Herrschaftssitz notwendig. Zu diesem Zweck ließ Friedrich von Trotha (gestorben 1615) die mittelalterlichen Gebäude des Freihofs im späten 16. Jahrhundert abreißen und durch ein stattliches Herrenhaus ersetzen. Auf winkelförmigem Grundriss entstand ein renaissancezeitliches Schloss aus zwei Flügeln, in deren Winkel ein weithin sichtbarer oktogonaler Treppenturm mit markanter Schweifhaube emporstrebte.

Das im dreißigjährigen Krieg unversehrte, inzwischen aber nicht mehr zeitgemäße Renaissanceschloss wurde unter Franz Casimir von Trotha (1679–1711) im Jahr 1710 dem barocken Stil angepasst und teilweise umgebaut. Nach dessen Tod wurde das Anwesen aber von den Erben nicht mehr genutzt, sondern verpachtet.

Im angrenzenden Hof der Würdenburg entstanden im Laufe der Zeit etliche Wirtschaftsgebäude wie Schaf-, Ochsen- und Pferdestall mit Stroh, Heu- und Häckselboden.

Die Decke ist heute in einem desolaten Zustand.
Teil der barocken Stuckdecke von 1710

Die fast 400jährige Herrschaft der Edlen zu Trotha in Teutschenthal endete mit dem Verkauf der Würdenburg im Jahr 1832. Finanzielle Nöte hatten Ludwig von Trotha (1811–1895) dazu gezwungen, sämtliche Besitzungen in Teutschenthal zu veräußern. In seiner weiteren Geschichte wechselte das Rittergut mehrmals seinen Besitzer und diente dabei zusammen mit den umliegenden Ländereien des Öfteren als Schauplatz preußischer Militärmanöver. Bei einem dieser Manöver, im September 1857, waren neben hochrangigen Vertretern des europäischen Hochadels auch der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. (1840–1861) sowie der Prinz von Preußen, der spätere deutsche Kaiser Wilhelm I. (1861/71–1888), auf Schloss Würdenburg anwesend.

 

Die Natur eroberte sich weite Teile der Würdenburg zurück.
Eingestürzter Fassadenteil auf der Nordseite

Danach versank die Würdenburg in der Bedeutungslosigkeit. Als Erbschaft seiner Frau Ella, geborene Zimmermann, gelangte das Anwesen im Jahre 1915 in den Besitz des preußischen Oberamtmanns Carl Wentzel (1876–1944). Dieser ließ 1928 durch den bekannten Architekten und Burgenforscher Hermann Wäscher letzte Umbaumaßnahmen am Herrenhaus durchführen. Dabei wurde unter anderem der Westflügel um zwei Fensterachsen verlängert und das Gesindehaus aufgestockt. Nach Bodenreform und Enteignung der Familie Wentzel 1945 war im Hauptgebäude eine Zahnarztpraxis untergebracht. Später diente das einstige Herrenhaus als Kindertagesstätte (bis 1986) und Kinderkrippe (bis 1991). Zur selben Zeit nutzte eine Bäuerliche Handelsgenossenschaft den ehemaligen Gutshof. Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft von Teutschenthal richtete hier eine Mosterei ein, deren Betrieb Anfang der 1990er Jahre eingestellt wurde. Eine so genannte Hochfahrtscheune war bereits nach der Bodenreform abgetragen worden.

Die Würdenburg wird begutachtet.
Die Hofansicht der Würdenburg heute

Trotz Umbauten, Abbruch des Treppenturms 1951 und Verwahrlosung in den letzten beiden Jahrzehnte haben sich im und am Hauptgebäude sowie im Wirtschaftshof renaissancezeitliche und barocke Schmuckformen wie Familienwappen und Portale erhalten. Darüber hinaus existieren im Herrenhaus noch originale barocke Stuckdecken aus der Zeit um 1710. Ein Teil der Fassade neben dem Haupteingang ist aber bereits eingestürzt; weitere Teile sind akut bedroht. Auch die Wirtschaftsgebäude im Hof sind ungenutzt und dem Verfall preisgegeben. Nur das ehemalige Gesindehaus, welches seit den letzten Umbauarbeiten von 1928 unmittelbar an das Hauptgebäude angrenzt, ist teilweise saniert und bewohnt.

Mike Leske

Literatur:

  • Alexander Duncker: Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie, Berlin 1857/83.
  • Heino Einführ u. a. (Hrsg.): Teutschenthal. Die verbotene Chronik, Originalabschrift vom Jahre 1979, Halle 2004.
  • Margarete Gerlach: Teutschenthal in alten Ansichten, Zaltbommel (Niederlande) 1997.
  • Mike Leske: Schöne Grüße. Ansichtskarten und Lithografien aus Eisdorf, Teutschenthal & Teutschenthal-Bahnhof, 7. Neuauflage, Teutschenthal 2016.
  • Erich Neuß: Wanderungen durch die Graftschaft Mansfeld. Im Seegau, ND Halle 1999.
  • Albert Schröder: Teutschenthal. Beitrag zur tausendjährigen Geschichte des Ortes, Eisleben 1929.

 

 

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